Neuer Schaumunterbau für den Wellpappen-Direktdruck im Praxistest

Die vliesveredelte Rückseite erleichtert das Handling in der Druckmaschine

Schaumunterbauten mit Vliesveredelung entsprechen dem neuesten Stand der Entwicklung in der Druckvorstufe des Wellpappen-Direktdrucks. Das Vlies auf der Rückseite erleichtert dem Drucker das Positionieren der Post-Print-Montage auf dem Druckzylinder. Smufit Kappa Neuburg hat Handling und Druckeigenschaften eines neuen Vliesunterbaus zusammen mit dem Vorstufenbetrieb Horst Gries geprüft.

Druckabsorbierende Schäume aus geschlossen-zelligem Polyethylen, genauer gesagt aus HDPE, bewähren sich im Wellpappen-Direktdruck schon seit langem. Als kompressible Unterlage erlauben sie die Verwendung von dünneren und härteren Fotopolymer-Flexodruckplatten. In der Druckmaschine reduzieren sie im Druckspalt den Anpressdruck auf die Platte und ermöglichen dadurch eine geringere Tonwertzunahme, feinere Rasterabbildungen und eine höhere Druckqualität. Gleichzeitig reduzieren sie den Waschbretteffekt. Für Anwender kommt es, neben den verbessernden Druckeigenschaften des Schaummaterials, auch auf ein einfaches Handling beim Positionieren der unhandlichen, großformatigen Post-Print-Montagen auf den Druckzylinder an. Um beste Druckeigenschaften und eine einfache Handhabung der Post-Print-Montagen zu erreichen, entwickelte Innova Flexo Products einen vliesveredelten Schaumunterbau, die eine stabile Druckqualität und hohe Standzeiten gewährleistet. Die aufkaschierte dünne Vliesschicht bei diesem Unterbau sorgt aufgrund ihrer ausgezeichneten Gleiteigenschaften für eine einfache Positionierung der Post-Print-Montage auf dem Druckzylinder. Der Unterbau wird in zwei Varianten angeboten: Entweder ist der Polyethylen-Schaum direkt auf einer Trägerfolie montiert (auf Wunsch auch in bestimmten Positionen) oder einseitig klebend zur Selbstmontage auf der Folie durch das Reprohaus.

Spezifikation des Innovalux- Unterbaus für das Druckvorstufenunternehmen Horst Gries

Anspruchsvolles Druckmotiv

Für den Drucktest bei Smurfit Kappa in Neuburg auf der Druckmaschine Göpfert Ovation wählten Kerstin Sudau (Betriebsleiterin bei Horst Gries) und Uwe Dittenhauser (Technische Clearingstelle bei Smurfit Kappa Neuburg) ein anspruchsvolles, fünffarbiges Druckmotiv im 42er Raster aus. Aufgrund der eingesetzten Flexodruckplatten (2,84 mm) wurde die Stärke des Unterbaus mit 1,65 mm spezifiziert. Daraus ergab sich eine Gesamtstärke der Post-Print Motage von 4,59 mm – einschließlich eines 0,1 mm dicken Klebebands.

Die 1400 mm hohe Montage setzte sich aus dem 1350 mm breiten Unterbau und einer schaumfreien Zone von 50 mm zusammen, an der oben eine Kunststoffleiste angeklebt und angenäht wurde.

Die Versiegelung der Leiste dient zum Schutz vor Waschwasser. Nach Abschluss der Plattenmontage erfolgte an der unteren Seite der Post-Print-Montage die Montage einer Kunststoffleiste. Dazu ist ein etwa 50 mm breiter Schaumstreifen zunächst eingeritzt und danach abgezogen worden.

Das ausgewählte Paulaner-Motiv eignete sich nicht nur wegen seines hohen drucktechnischen Anspruchs für den Drucktest, es erlaubte auch einen Handlingsvergleich zwischen den Post-PrintMontagen mit und ohne Vliesbeschichtung. Die Montagen ohne Vliesbeschichtung standen als Referenz aus einem anderen Auftrag gleicher Art zur Verfügung.

Das Urteil der Fachleute an der Maschine

Andreas Croce, Drucker an der Göpfert Ovation, übernahm bei dem Test die Aufgabe, den Handlingsvergleich zwischen den Post-Print-Montagen mit Schaumunterbau unterschiedlicher Oberflächen durchzuführen. Dazu hängte er die Leiste der Post-Print-Montage in die Schiene des Druckzylinders ein, die über eine Zylinderdrehung nach oben eingezogen wird. Für den Fall, dass die Montage beim Einziehen nicht im Winkel auf dem Zylinder sitzt, bestand die Möglichkeit, das über die Schrägverstellung des Zylinders auszugleichen. Zur einfacheren Positionierung wurde aus den Zylinderdüsen Luft unter die Montage geblasen. Dazu Andreas Croce, der seine Eindrücke vom Einhängen der Post-Print-Montagen in die Druckwerke der Göpfert Ovation wie folgt schilderte: „Der Unterbau mit Vliesveredelung klebt nicht so stark auf dem Druckzylinder und rutscht besser als Unterbauten ohne Vlies.“

Interessant ist auch der Einsatz von Post-Print-Montagen mit Vliesveredelung auf Druckmaschinen des Typs Bobst 1600. Dieser Maschinentyp verfügt ebenfalls über eine Schrägverstellung der Zylinder, mit der die fixierte Post-Print Montage auf dem Druckzylinder im Winkel exakt ausgerichtet werden kann. Hier müssen allerdings die Gummibänder zur Fixierung der Montage normalerweise bis auf eines gelöst werden, um die Montage in ihrer Position korrigieren zu können. „Bei diesen Maschinen ist es ebenso wichtig, dass die Post-Print-Montage gut auf dem Zylinder gleiten. Mit einem vliesbeschichteten Unterbau muss die Fixierung der Montage beim Positionieren nicht mehr gelöst werden“, erklärt Uwe Dittenhauser den Unterschied an der Bobst 1600 zu Montagen ohne Vlies. In den Plattenreinigungsanlagen bei Smurfit Kappa in Neuburg werden Druckplatte und Unterbau vollständig mit Wasser benetzt. Dabei tropft das Reinigungswasser an der Vliesoberfläche langsamer ab, als an einer glatten und geschlossenen Polyethylenoberfläche, so dass die Trocknungazeit nach dem Reinigungsvorgang etwas länger dauert als bei Post-Print Montagen ohne Vlies.

Uns wie sieht das Druckergebnis aus?

Während an der Druckmaschine die Vorteile des leichteren Handlings im Vordergrund stehen, stellte sich für Kerstin Sudau die Frage nach den drucktechnischen Eigenschaften des Unterbaus, insbesondere ob Abweichungen zu den bisher bekannten Druckkennlinien auftreten werden. Dies würde die Verwendung neuer Tonwertkurven in der Reproduktion notwendig machen. Zur Klärung wurden die Kennlinien anhand von 10 Wellpappenbögen ermittelt, die während des Druckproduktion der Testauflage gezogen wurden. Mittels der Musterbögen erfolgte die Bewertung der Spitzlichter und das Liegen der Einzelfarben.

Uwe Dittenhauser hat den Drucktest federführend begleitet. Auf dem Testdruck ist das Paulaner-Logo zu sehen

Bei den Skalenfarben Gelb, Magenta und Schwarz zeigte die Auswertung der Rasterkeile einen flachen Verlauf der Tonwertzunahmen bei Platten mit Schaumunterbauten. Gedruckt wurde die Auflage mit dem wasserbasierten Farbsystem „Euro Base“ von Doneck Network. Dabei kamen für den Druck der Skalenfarben Rasterwalzen zum Einsatz, die alle die gleiche Spezifikation aufwiesen: Schöpfvolumen: 7,5 g/m2; Linienanzahl: 225 L/cm.

Spitzlichter im Schwarz-Ver- lauf rund um das Paulaner- Logo. Die feinen Raster- punkte sind rund und spitz und laufen homogen aus
Spitzlichter im Schwarz-Ver- lauf rund um das Paulaner- Logo. Die feinen Raster- punkte sind rund und spitz und laufen homogen aus. Quelle: Flexo Consulting

Die rund 15 % höhere Tonwertzunahme der Cyan-Kennlinie wurde durch ein leichtes Schieben verursacht, so dass Cyan aus der Bewertung herausfiel. Die eng beieinander liegenden, flachen Tonwertzunahme-Kurven von Magenta, Gelb und Schwarz machten Anpassungen in der Repro nicht erforderlich.

Die höhere Volltondichte (DV 2,73) der Sonderfarbe „Blau P282C“ sowie das höhere Schöpfvolumen der eingesetzten Rasterwalze (10 g/m2, 160 L/cm) führten zu einer deutlich höheren Tonwertzunahme im Vergleich zu den Skalenfarben YMK. Im Rasterverlauf um das Paulaner-Logo druckten die feinen schwarzen Rasterpunkte rund und spitz und liefen homogen aus, unabhängig ob auf Wellenberg oder Wellental der S-Welle gedruckt wurde.

Die Auswertung der Volltondichten zeigte bei allen Farben und Druckbögen konstante Werte, zu dem im Wesentlichen das feste Kompressionsverhalten des Unterbaus beitrug. Die auf den Bildern erkennbare „Würmchen-Struktur“ zeigte ein sauberes Farbliegen in den Volltonflächen, ohne dass die weiße Liner-Oberfläche durchblitzte.

Fazit

Der Schaumunterbau mit Vlies konnte sowohl beim Handlingstest im Drucksaal als auch beim Drucktest überzeugen. Nach der Testproduktion erfolgten vier weitere Druckdurchgänge mit insgesamt 160.000 Bögen, die den positiven Eigenschaften des Unterbaus bestätigen. Als nächster Schritt steht für Uwe Dittenhauser eine Erweiterung der Testreihe mit weiteren Motiven auf der Göpfert Ovation an. Auch ist der Einsatz von Post-Print-Montagen mit Vliesunterbau auf der Bobst 1600 vorgesehen.

Tonwertzunahmen der Skalenfarben und der Sonderfarbe „Blau (P282C )